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Das tapfere
Schneiderlein
Erzähler: An einem schönen Sommermorgen saß ein Schneiderlein am Fenster. Er hatte gute Laune und nähte einen Rock. Schneiderlein: Ist das ein herrlicher Morgen! Da macht das Nähen Spaß. Auf dem Markt ist ja heute viel los. Musfrau: Pflaumenmus, frisches Pflaumenmus, was ein jeder haben muss! Schneiderlein: Oh, was hören meine frisch gewaschenen Ohren da! Gute Frau! Kommen Sie herauf! Erzähler: Musfrau geht hinauf und schnauft Musfrau: Oh, so viele Treppen! Schneiderlein: Das riecht ja gut. Ich nehme diesen Fingerhut voll. Musfrau: Was? So wenig? Dafür bin ich diese vielen Treppen hinauf gegangen? Schneiderlein: Das reicht für einen kleinen Schneider und für meinen kleinen Geldbeutel. Was kostet das? Musfrau: Einen Silbertaler. Schneiderlein: Siehst du, nun ist der Geldbeutel leer.
Erzähler: Die Musfrau geht. Schneiderlein: Mmh, das riecht so gut! ( näht weiter) Erzähler: Fliegen summen Schneiderlein: Ei, wer hat euch denn eingeladen? Euch erwische ich mit meiner Fliegenklatsche. Erzähler: Die Fliegen summen, das Schneiderlein schlägt zu und trifft Schneiderlein: 1,2,3,4,5,6,7 – Oh! Sieben auf einen Streich! Das hat noch keiner geschafft. Das muss die ganze Welt erfahren. Erzähler: In großer Eile nähte der Schneider sich einen Gürtel und stickte mit großen Buchstaben darauf: Sieben auf einen Streich. Ehe er loszog, überlegte er, was er noch mitnehmen könnte. Er fand aber nichts als einen alten Käse. Vor dem Tor bemerkte er einen Vogel. Den steckte er auch in seine Tasche. So zog er los. Schneiderlein: Ei, in welche Richtung soll ich denn gehen? Ach, immer der Erzähler: So wanderte denn das Schneiderlein mit seinem Gürtel, dem Er kam auf einen Berg. Da stand ein Riese. Riese : He, du Lump! Was willst du hier? Schneiderlein: Sei nicht so frech! Lies erstmal, was auf meinem Gürtel steht! Riese : (stockend) Sieben auf einen Streich. Muss ich vor dir Angst haben? Erzähler: Der Riese nimmt einen Stein und wirft ihn hoch in die Luft . Riese : Na, was sagst du jetzt? Schneiderlein: Nicht schlecht, aber jetzt bin ich dran. Pass auf! Schneiderlein: (flüstert) So, kleiner Piepmatz, flieg und komm nie wieder! Erzähler: Das Schneiderlein nimmt den Vogel und wirft ihn hoch. Riese : Oh, der Stein kommt ja gar nicht wieder. So, Schneiderlein, jetzt zeige ich dir, wie stark ich bin. Erzähler: Der Riese nimmt einen Stein und zerbröselt ihn Schneiderlein: Das kann ich auch. Erzähler: Er nimmt den Käse und drückt Wasser heraus Riese : Da kommt ja sogar Wasser raus! Du bist wirklich stärker als ich. Du darfst mit in meine Höhle Erzähler: Der Riese reißt einen gewaltigen Baum aus. Schneiderlein: Trag du den Stamm. Ich trage die schweren Äste. Erzähler: Der Riese trägt den Baum, das Schneiderlein setzt sich aber geschwindt auf den letzten Ast. Der Riese stöhnt unter der Last. ein Fell. Schneiderlein: So ein dummer Riese! Ich ziehe weiter – immer der Nase nach. Erzähler: Der Schneider kam zu einem prächtigen Schloss. Und weil er so müde war vom Wandern, legte er sich auf eine Wiese und schlief tief und fest ein. Mann: Das muss ein großer Held sein. Frau: Ja und bestimmt ein mächtiger Herr. Erzähler: Die Leute gingen zum König und zur Königin und Frau: Auf seinem Gürtel steht: Sieben auf einen Streich! König: Oh, so einen könnten wir gut gebrauchen! Königin: Vielleicht kann er uns von den bösen Riesen befreien. König: Und von dem gefährlichen Einhorn. Königin: Ja, und das schreckliche Wildschwein soll er verjagen. König: Hofmarschall! Komm her! Hofmarschall: Zu Diensten, Majestät! König: Geh und hol mir den Helden! Erzähler: Der König schickte den Hofmarschall los, den Schneider in standen sie vor dem Schneider. Frau: Vor dem muss man Angst haben. Mann: Sieben von uns kann der auf einen Streich erschlagen. Hofmarschall: Oh, er wird wach! Erzähler: Der Hofmarschall nahm den Schneider mit und brachte ihn zu Seiner Majestät. König: Mutiger Herr, willst du in meine Dienste treten? Schneiderlein: Das will ich, Majestät! anrichten. Die musst du besiegen. Königin: Dann bekommst du das halbe Königreich. König: Und meine wunderschöne Tochter. Prinzessin: Aber Vater, so ein Hänfling! Ich will ihn nicht. Schneiderlein: Hänfling? Na warte. Wer sieben auf einen Streich trifft, braucht zweie nicht zu fürchten. Erzähler: Das Schneiderlein geht. König: Der wird sowieso nicht lebendig zurückkommen. Erzähler: Das Schneiderlein zog aus und erblickte nach einer Weile die zwei Wüstlinge. Er versteckte sich auf einem Baum und ließ dem einen Riesen einen Stein nach dem anderen auf den Bauch fallen. Erzähler: Der Riese wacht auf. Riese 1: Was schlägst du mich? Riese 2: Ich schlage dich nicht. Du träumst! Erzähler: Die Riesen legen sich wieder hin, das Schneiderlein aber wirft nun Steine auf den anderen Riesen. Riese 2: Was soll das? Riese 1: Was? Riese 2: Du haust mich. Riese 1: Nein! Riese 2: Doch! Erzähler: Die Riesen beginnen sich zu prügeln, bis beide umfallen. Erzähler: Der Schneider sprang vom Baum herab und lief zum Schloss. Erzähler: Der König aber bereute sein Versprechen. König: Ehe du meine Tochter und das halbe Reich bekommst, musst Einhorn herum, das ist so gefährlich, dass sich keiner mehr in den Wald traut. Schneiderlein: Na gut. Ich fürchte mich nicht vor dem Einhorn. Erzähler: Das mutige Schneiderlein ging los und brauchte nicht lange zu suchen. Schneiderlein: Jetzt hab ich das Vöglein! mit einer Axt das Horn vom Baum Königin: Mein Gott, er hat das Einhorn! Prinzessin: Dann muss ich ihn doch heiraten! König: Warte ab! Erzähler: Der König lobte den Schneider, wollte ihm den Lohn aber nicht geben. Er schickte ihn abermals in den Wald, das schreckliche Wildschwein zu töten. Er hoffte, der Schneider würde nicht zurückkommen. Erzähler: Schnell ging unser schlaues Kerlchen zum König, um ihm von dem Wildschwein zu berichten, das in der Hütte festsaß. Hofmarschall: Der Kriegsheld, er kommt wieder! Gesund und munter! König: Dem gebe ich mal lieber, was ich ihm versprochen habe, sonst wird es uns wohl schlecht ergehen. Erzähler:
Der König und die Königin empfangen
den Schneider
König:
Töchterlein! Königin: Sie wird eine wunderschöne Braut sein. Prinzessin witzig und klug. Prinzessin (zum Schneider): Ich gehöre dir, mein Held. Erzähler: Sie küssen sich. Schneiderlein (zum Publikum): Haha, wenn die wüssten, dass in der Haut des Kriegshelden Erzähler: So heirateten denn das tapfere Schneiderlein und die wunderschöne Prinzessin. Eines Nachts, wie sie so im Bette lagen, sprach der junge König im Schlaf: Schneiderlein: He Junge, flick mir die Hosen und näh mir den Mantel fertig, sonst haue ich dir die Elle um die Ohren. Erzähler: Die Prinzessin wacht auf und sagt (zum Publikum) Prinzessin: So spricht er des öfteren in der Nacht. Ist mein lieber Gemahl etwa ein einfacher Schneider gewesen?
- Ende -
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